Siegel 2

Gespräche

Im täglichen Austausch mit unseren Kundinnen führen wir viele interessante Gespräche. Oft geschieht es, dass eine scheinbar harmlose kleine Frage einen ganzen „Kosmos“ auftut. Nur noch selten haben die meisten Menschen Gelegenheit, etwas über das Innenleben der eigenen Jacke zu erfahren. Oder auf ihre Fragen Antworten zu erhalten, warum zum Beispiel Konfektionsgrößen überall verschieden ausfallen und was ein qualitativ hochwertiges Knopfloch ausmacht? In der Kategorie Gespräche geben wir Antworten auf diese und weitere, an uns häufig gestellte Fragen.

Zertifizierungssiegel

Im Gespräch mit unseren Kundinnen erfahren wir oft, wie schwierig es sein kann, sich in der Vielfalt an Zertifizierungssiegeln zu orientieren und zu verstehen, was genau sie garantieren. Transparenz? Ökologische Vertretbarkeit? Menschenwürdige Arbeitsstandards?
Wir möchten Sie ermutigen aufmerksam zu sein. Sich selbst und Ihrem Gespür zu vertrauen. Handelt es sich bei Ihrem Gegenüber um Qualitätsgeber? Um Fachleute, die selektieren und den Anspruch auf einen vertrauensvollen Umgang mit ihren KundInnen haben? Machen Sie es wie beim Kauf von Bio-Eiern. Wenn der Bauer Ihnen samstags am Marktstand mit strahlenden Augen von seinen glücklichen Hühnern, dem großzügigen Auslauf und dem guten Futter erzählt, schenken Sie ihm bestimmt genauso viel – wenn nicht mehr – Vertrauen, wie dem Verpackungsaufdruck im Supermarkt-Kühlregal.

Keines der gängigen Siegel für Textilien ist perfekt. Dennoch möchten wir Ihnen hier einen Überblick über die Bedeutung der acht wichtigsten Kennzeichnungen geben.

Öko-Tex Standard 100. In Deutschland gibt es kaum Textilien ohne Öko-Tex 100-Zertifikat. Dieses Siegel bestätigt ausschließlich die Schadstoffarmut des gekauften Produktes. Über die Herstellungsbedingungen und die Produktion der Rohstoffe wird keine Aussage gemacht. Je nach Einsatzzweck des konkreten Produktes variieren die im Standard gerade noch erlaubten Rückstände bestimmter bedenklicher Stoffe. Je enger der Hautkontakt ist, desto niedriger sind die Grenzwerte; einige Stoffe dürfen gar nicht verwendet werden bzw. nicht nachweisbar sein.

Beim Öko-Tex Standard 1000 wird dagegen die Fabrikationsstätte als umweltfreundlich zertifiziert. Auch gewisse arbeitsrechtliche Mindeststandards müssen erfüllt werden. Zusätzlich muss gelten, dass mindestens 30% der produzierten Produkte nach Öko-Tex Standard 100 geprüft werden.

bluesign. Das bluesign-Siegel des Schweizer Unternehmens bluesign technologies AG bezieht sich auf die gesamte Produktionskette, vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt. Dabei orientiert sich der bluesign-Standard an verschiedenen Kategorien wie Konsumenten- und Arbeitssicherheit, Gewässerschutz, Ressourcenproduktivität und Luftemissionsschutz. Das bluesign findet man derzeit vor allem bei Outdoor-Produkten und Baby- und Kinderkleidung.

Fairtrade Certified Cotton. Dieses Siegel ist ein reines Sozial-Zertifikat. Es schützt in erster Linie die Baumwollproduzenten und ihre Familien. Aber auch weiterverarbeitende Betriebe wie Spinnereien oder Webereien werden auf die Einhaltung sozialer Standards überprüft. Es lässt keine Rückschlüsse auf den Anbau von und Handel mit Biobaumwolle ziehen. Tatsächlich stammen nur rund 20% der fairen Baumwolle auch von biologischen Äckern.

IVN – BEST-Siegel. Der BEST Standard liegt weit über der Gesetzgebung der europäischen Union. Er ist derzeit der Standard mit den höchsten Ansprüchen an textile Ökologie. BEST bildet die gesamte textile Produktionskette ab, sowohl in ökologischer als auch in sozialverantwortlicher Hinsicht. Die Richtlinien schreiben vor, dass Stoffe zu 100% aus Naturfasern bestehen müssen, die aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Synthetische Fasern, wie z. B. Elasthan, Polyacryl oder Viskose dürfen nur zu höchstens 5% bei Zutaten oder in Ausnahmefällen bei elastischen Stoffen eingesetzt werden. Bei der Verarbeitung der Kleidung dürfen grundsätzlich keine Substanzen eingesetzt werden, die unter der Richtlinie 67/548/ der EU gelistet sind. Diese Liste führt eine große Zahl einzelner Gefahrstoffe, die krebserzeugend, Erbgut schädigend, Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigend wirken oder Kinder bereits im Mutterleib schädigen können.

kbA. Es gibt kein einheitliches Siegel, welches Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bestätigt. Die Abkürzung kbA sagt aus, dass die verwendete Baumwolle ohne Pestizide, Mineraldünger oder schädliche Chemikalien angebaut wurde. Über weitere Verarbeitung, Ausrichtung, Färbung, Arbeitsbedingungen etc. gibt kbA keinerlei Auskunft.

Blauer Engel. Ein Umweltzeichen, das hauptsächlich den Umweltschutz betrifft. Mit diesem Siegel gekennzeichnete Produkte sind umweltfreundlicher als andere Produkte der jeweiligen Produktgruppe. Sie stellen das „geringste Übel“ in puncto Umweltbelastung dar.

Fair Wear Foundation. Die Fair Wear Foundation (FWF) engagiert sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie und beschränkt sich dabei auf die Nähprozesse. Unternehmen können gegen einen Jahresbeitrag Mitglied in der FWF werden und verpflichten sich zu Sozialstandards in der eigenen Lieferkette und existenzsichernden Löhnen. Allerdings ist die FWF eine sogenannte Lerninitiative. Das bedeutet, dass eine Mitgliedschaft nicht garantiert, dass in der Lieferkette der Mitglieder alle geforderten Sozialstandards umgesetzt sind. Vielmehr versucht die FWF langfristig sicher zu stellen, dass das jeweilige Unternehmen die Sozialstandards in der Lieferkette verbessert.

Global Organic Textile Standard (GOTS). Das GOTS-Siegel berücksichtigt neben dem ökologischen Anbau auch alle weiteren Produktionsschritte. Das zertifizierte Textil muss aus mindestens 90% Naturfasern bestehen. Sportbekleidung ist ausgenommen, hier dürfen bis zu 25% synthetische Fasern eingesetzt werden. Insgesamt sind 70% der Fasern aus Bio-Anbau ein festgelegtes Minimum. Zudem ist geregelt, wie die Fasern weiterverarbeitet werden dürfen. Das gewährleistet, dass eine mögliche Schadstoffbelastung im Endprodukt so gering wie möglich ist. Auch soziale Mindeststandards, die regelmäßig überprüft werden, sind Teil des GOTS.

Unser Körpergefühl im Wohnraum Kleidung 3

Modedesign, Produktdesign und Handwerk

Du bist keine typische Modedesignerin. Wo würdest du dich einordnen?Im Bereich Modedesign, Produktdesign oder im Handwerk?
Meine Arbeits- und Denkweise umfasst alle drei Bereiche. Modedesign ist spannend im dialogischen Sinn. Immer dort, wo Mode durch Dekonstruktion mit Sehgewohnheiten bricht, Klischees karikiert oder unterschiedliche Kulturen und Zeiten verbindet. Ich beobachte Menschen in diesem Spannungsfeld und setze mich damit auseinander, was uns innerhalb eines konkreten Zeitraumes in unseren Anschauungen verbindet oder trennt. Daraus ergibt sich für mich ein aktuelles, gemeinschaftliches Lebensgefühl. Dort knüpfe ich mit meinen Entwürfen an.

Was mich mit Produktdesign verbindet, ist die vertiefende Arbeitsweise, die Gebrauchsorientierung, die Treue zum entwickelbaren Profil und das Streben nach Universalität.

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Positiv erlebe ich Handwerk in der Aufmerksamkeit und Achtung im Umgang mit dem Menschen und den Materialien - was aufgrund der Langsamkeit des Prozesses noch möglich ist. Als schwierig empfinde ich es, wenn im Handwerk dogmatisch an Arbeitsweisen und Regeln festgehalten wird, die aus heutiger Sicht ihre Sinnfrage verloren haben. Aus meiner Sicht ist es wichtig, handwerkliche Techniken zu bewahren und gleichzeitig offen zu sein für industrielle Fertigungsmethoden – nämlich immer dort, wo sie zu adäquaten Ergebnisse führen, uns entlasten und somit ein wirtschaftliches Arbeiten ermöglichen. Gern erzähle ich in diesem Zusammenhang zum Beispiel, dass die meisten industriellen Knopflöcher aus einem 120er Garn gefertigt werden. Das ist ein Garn, welches in seiner Funktion für Schließnähte, also einfache Steppnähte, eingesetzt wird und deutlich preiswerter ist als stärkere Garne. Die Knopflöcher sind nicht nur unschön anzusehen, sie sind auch nicht von langer Lebensdauer. Für ein wunderschönes und gleichzeitig lange haltbares Augenknopfloch setzen wir 80er Garn ein und verstärken die Kanten, indem wir getreu dem Handwerk einen zusätzlichen Faden, die sogenannte Gimpe, aus einem Garn in einer 30er Stärke mitführen. Ein handgestochenes Knopfloch benötigt jedoch durchschnittlich so viel Zeit (zirka 20 Minuten pro Knopfloch) wie in der Industrie ein komplett gefertigtes Modell. Deshalb unterstützt uns hier unser Dürrkopp-Knopflochautomat. Auf diese Art erreichen wir die Qualität eines handwerklich gefertigten Knopflochs in für uns kalkulierbaren Zeitrelationen. Die Summe solcher Details an einem Modell macht den Wert der Kleidung aus, die unsere Kundin erhält. 

Pflege für Ökologische Kleidung

Lange Freude an Ihrer Kleidung: Pflegetips.

In unseren Kundengesprächen tauschen wir uns auch über die Pflege eines neu erworbenen Outfits bzw. allgemeinen über die Pflege von Kleidung aus. Einige aus unserer Sicht wertvolle Tipps haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Oft steht bei der Pflege von Kleidung das Waschen oder Reinigen im Mittelpunkt. Doch wir Waschen und Reinigen viel zu viel! Stattdessen können wir durch kleine Handhabungen im täglich liebevollen Umgang mit unserer Kleidung große Ergebnisse erzielen.

Mit dem Verhältnis zu unserer Kleidung ist es nicht anders wie mit der Beziehung zu Freunden oder zu uns selbst. Ist uns etwas wichtig, müssen wir es pflegen. Aber wie? Was ist sinnvoll?  

| Lassen Sie Ihre Kleidung nach jedem Tragen mindestens einen Tag ruhen. Die Fasern können sich dadurch entspannen und erholen sich. Ihre Kleidung dankt es Ihnen mit einer langen Lebensdauer.

| Hängen Sie Jacken, Blusen, Shirts und Kleider nach dem Tragen immer auf einen hochwertigen Bügel, der die Schulterpartie unterstützt.

| Hosen sollten vertikal mit einem Klippbügel aufgehängt werden.

| Zerknitterte Kleidung glättet sich wieder gut in einer feucht-warmen Umgebung.

| Lassen Sie nichts in den Taschen, diese können sonst ausbeulen.

| Verwenden Sie atmungsaktive Kleidersäcke für Modelle, die Sie selten tragen.

| Um Staub und Hautschuppen zu entfernen, können Sie Ihre Kleidung regelmäßig bürsten.

| Möchten Sie einen Fleck entfernen, versuchen Sie dies durch vorsichtiges Tupfen. Bei zu kräftigem Reiben wird der Fleck eher in die Faser hinein oder die Farbe aus dem Gewebe heraus gerieben.

| Flecken in Materialien, die nur gereinigt werden dürfen, sollten ausschließlich mit Hilfe eines trockenen Tuchs getupft werden. Hilft dies nicht, geben Sie das Kleidungsstück schnellstmöglich in eine Trockenreinigung (chemische Reinigung). Kennzeichen hierfür ist ein (P).

| Häufige chemische Reinigung kann jedoch die Lebensdauer Ihrer Kleidung reduzieren. Deshalb ist auch hier das Motto: „weniger ist mehr“ schonend für die Gesundheit, Umwelt und Ihre Kleidung.

| Achten Sie auf einen ausreichenden Schutz gegen Kleidermotten, insbesondere dann, wenn Sie das Kleidungsstück saisonal bedingt mehrere Monate nicht tragen.

| Kaschmirmodelle sollten von Zeit zu Zeit nach Mottenlarven abgesucht werden, die sich gern im Schatten der Nähte aufhalten.

Fair and Friends Award

Fa!r & Friends Award 2015

Wir freuen uns über die Auszeichnung mit dem FA!R & FRIENDS Award 2015. Er wurde uns im Zuge der Fair Trade & Friends – Messe rund um den fairen Handel „in Anerkennung des herausragenden wirtschaftlichen Erfolges und außergewöhnlichen Engagements beim Verkauf fair gehandelter Produkte“ in der Kategorie Einzelhandel verliehen. Dieser Award bestärkt einmal mehr unseren Willen, einen überzeugenden Beitrag zum nachhaltigen und fairen Handel in Deutschland zu leisten. Wir wurden für unser slow-fashion-Konzept ausgezeichnet, welches sich klar gegen den schnelllebigen Wechsel der saisonalen „Moden“ der Bekleidungsindustrie und der damit verbundenen Entwertung von Kleidung, die herrschende Wegwerfmentalität und die damit einhergehende Vergeudung von Ressourcen sowie die Belastungen für Umwelt und Klima, als auch die Produktion von Kleidung für westliche Marken auf Kosten von TextilarbeiterInnen in Billiglohnländern wendet.

Fotos von der Preisverleihung finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Waschen mit Kastanien

Waschen mit Kastanien

Ein aktueller Tipp von Lebenskleidung, den wir gerne weitergeben wollen:

"Noch ist es nicht zu spät und Du kannst sie überall draußen finden: Kastanien. Die kleinen Schätze eignen sich nicht nur zum herbstlichen Basteln (wobei sie meist zu kleinen Tierchen verarbeitet werden), sondern auch zum Waschen. Einfach 5 frische Kastanien sorgfältig mit dem Hammer oder Nussknacker zerkleinern. Je feiner die Kastanien gehackt werden, desto besser kann das enthaltene Saponin, das für die Waschwirkung verantwortlich ist, austreten. Die Kastanien in einem gut verschlossenen Wäschenetz o.ä. direkt in die Trommel der Waschmaschine geben. Wir haben es ausprobiert und waren entzückt von diesem Wundermittel.
Alternativ können die Kastanienstücke auch über Nacht in Wasser eingelegt und der abgeseihte Sud anschließend direkt in das Waschmittelfach gegeben werden."