Der Rat für Nachhaltige Entwicklung der deutschen Bundesregierung hat das Slow-Fashion-Konzept „Atelier Karin Jordan – Businesskleidung für Frauen Made in Berlin“ mit dem Nachhaltigkeitssiegel „Werkstatt N 2013“ prämiert. Damit wurde das umfassende Verständnis von nachhaltiger Mode ausgezeichnet, welches Nachhaltigkeit im Sinne gestalterischer und ökologischer Qualitätskriterien mit ethischer und sozialer Verantwortung verbindet.

Das Atelier Karin Jordan bietet eine konkrete Alternative für Frauen,

  • die dem schnelllebigen Wechsel der saisonalen „Moden“ der Bekleidungsindustrie und der damit verbundenen Entwertung ihrer Kleidung überdrüssig sind und auf Langlebigkeit und Individualität setzen (ethisch-kultureller Aspekt),
  • die der herrschenden Wegwerfmentalität und der damit einhergehenden Vergeudung von Ressourcen sowie den daraus resultierenden Belastungen für Umwelt und Klima ihr persönliches, nachhaltiges Konsumverhalten entgegensetzen möchten (ökologischer Aspekt),
  • die nicht länger Kleidung tragen wollen, welche westliche Marken auf Kosten von Textilarbeiterinnen in Billiglohnländern produzieren lassen (sozio-ökonomischer Aspekt).

Nachhaltigkeit beim Material und in der Auswahl der Zulieferer

Alle Stoffe und Nähmaterialien werden aus Ländern der Europäischen Union bezogen. Ungefähr 80 Prozent aller Waren werden bei Unternehmen geordert, zu deren FirmeninhaberInnen oder FirmenvertreterInnen persönlicher Kontakt besteht. In diesen persönlichen Kontakten werden Qualitätskriterien im Einzelnen besprochen: lange Haltbarkeit, gutes Trageklima, Strapazierfähigkeit, Knitter-Unempfindlichkeit. Gleichzeitig besteht ein Informationsaustausch über die in den Herstellerbetrieben geltenden Umwelt- und Sozialstandards. Diese sind nicht zuletzt ausschlaggebend dafür, ob das Atelier Karin Jordan mit einem Zulieferer Kooperationsbeziehungen eingeht oder nicht. Zulieferer, die hohen Standards genügen und über entsprechende Zertifizierungen verfügen, sind nicht leicht zu finden. Erschwert wird die Suche zudem dadurch, dass große Stofflieferanten häufig eine Mindestabnahme in solchen Größenordnungen verlangen, wie sie für ein kleines Unternehmen wie das Atelier Karin Jordan nicht sinnvoll ist. Kleinere Firmen hingegen verzichten aus organisatorischen und finanziellen Gründen oft auf die sehr aufwändigen Zertifizierungen.

Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess

Um die hohe Qualität der Kleidungsstücke zu gewährleisten, arbeitet das Atelier Karin Jordan durchweg mit qualifiziertem, erfahrenem Fachpersonal aus Berlin und Brandenburg. Durch die Produktion vor Ort, im Atelier in Berlin werden lange, umweltschädigende Transportwege vermieden. Zum Konzept nachhaltiger Bekleidung gehört, dass die Kleidungsstücke unter sozial verträglichen und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Das bedeutet, dass die Mitarbeiterinnen eine faire Entlohnung erhalten und die Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen auf ihre familiären Bedürfnisse abgestimmt sind. Die Arbeitsabläufe werden so organisiert, dass keine Nacht- und Wochenendarbeit notwendig ist. Die Arbeitsdisposition wird im Team besprochen, um in Abhängigkeit von der Auftragslage individuelle Regelungen zu ermöglichen. Das Unternehmen legt Wert darauf, dass die Mitarbeiterinnen durchgängig eine qualitativ hochwertige Arbeit leisten. Um dieses konstant hohe Niveau zu sichern, stellt sich die Arbeitgeberin Karin Jordan darauf ein, dass das Leben der Mitarbeiterinnen nicht immer in das Schema eines nine-to-five-jobs passt und die familiären Situationen oft flexible Regelungen erfordern. Die Arbeitszufriedenheit des Teams ist Karin Jordan enorm wichtig. Denn diese Zufriedenheit schlägt sich nieder in der Qualität der Produkte. – Die räumliche Nähe von Produktion und Verkauf ermöglicht darüber hinaus eine direkte Kommunikation zwischen Designerin, Kundin und Schneiderin. Die Kundin erhält im Atelier kein anonym produziertes Kleidungsstück, sondern kann sehen, wo und von wem ihr Kleidungsstück hergestellt wird. Die Schneiderinnen wiederum arbeiten nicht für gesichtslose Kundinnen, sondern wissen oftmals, für wen sie etwas fertigen – was nicht unerheblich zu ihrer engagierten Arbeit und damit wiederum zur Qualität der Produkte beiträgt.

Nachhaltigkeit des Standortes in Berlin-Mitte

Das Atelier Karin Jordan (bestehend aus Showroom mit angrenzendem Produktionsraum und großem Lagerraum) befindet sich in Berlin-Mitte im Gewerbekomplex der WeiberWirtschaft eG, dem größten Gründerinnenzentrum Europas. Das Gründerinnenzentrum wurde für die Sanierung des alten Fabrikgeländes in der Anklamer Straße nach einem ökologischen Gesamtkonzept vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) mit dem „NABU-Baupreis 2004 für nachhaltiges Bauen und Renovieren“ als „besonders vorbildlich“ ausgezeichnet.

ZULIEFERER

Heiligenstädter Reissverschlüsse aus Thüringen. | www.heiligenstaedter-reissverschluss.de |
Unsere Reißverschlüsse beziehen wir aus Thüringen. Die Firma Heiligenstädter Reißverschlüsse gibt es seit 1870. Produziert wird vor Ort und nach Öko-Tex-Standard 100.

Stoffe von Höfer Stoffkollektion und Weberei am Chiemsee | www.hoefer-stoffe.de |
Höfer, oft als „kleinste Weberei“ ihrer Art bezeichnet, produziert seit über 50 Jahren Stoffe aus feinster Merinowolle auf seinen Jaquardwebmaschinen. Wir als Kunde haben dort auch die Möglichkeit, nach unseren eigenen Entwürfen weben zu lassen. Da alle Kundenentwürfe von Höfer archiviert werden, sind sie von uns auch Jahre später noch abrufbar.

Greuter-Jersey Made in Switzerland. | www.greuter-jersey.ch/es_oekologie.htm | Den Greuter-Jersey beziehen wir direkt von der Schellenberg Textildruck AG in der Schweiz, die vor einigen Jahren die Marke Greuter-Jersey übernommen hat. Sie betont ihr ökologisches Engagement in den Bereichen Abwasserreinigung, Wärmerückgewinnung von Abwasser und Abluft, energiesparende Maschinen und Anlagen sowie bei der Umstellung auf Erdgas. Daher ist sie seit 2008 von der CO2-Abgabe auf Brennstoffe befreit. Die Zielvorgaben gemäß Kyoto-Protokoll wurden sogar weit übertroffen. Die Schellenberg AG sieht ihre Zukunft in der Umstellung auf regenerierbare Energieträger. Darüber hinaus sind ihre Stoffe nach Öko-Tex-Standard zertifiziert. Sie arbeitet mit einer fairen Bio-Baumwollkette (Intertek Naturaline Bio-Cotton) zusammen.

Interview zum Thema Nachhaltigkeit

Ihr wurdet mit dem Nachhaltigkeitssiegel „Werkstatt N 2013“ ausgezeichnet. Was bedeutet die Auszeichnung für euch?
Wir, also das gesamte Team, freuen uns sehr darüber. Es ist eine wertvolle Bestätigung unserer Arbeitsweise, die wir von Anbeginn an verfolgen, und stärkt uns natürlich auch nach außen. Wir erhoffen uns dadurch eine größere Streukraft und wünschen uns, dass sich immer mehr Menschen Gedanken machen zu der sehr komplexen Wirkungsweise von Kleidung, deren Herstellung und Vermarktung.

All unseren treuen Kundinnen möchten wir besonders danken, denn nur durch sie können sich unsere Kollektionen verbreiten und Ideen und Konzepte dieser Art verwirklicht werden.

Es bestärkt uns, dass sich zunehmend mehr Menschen für das wichtige Thema Bekleidung und deren Hintergründe interessieren. Zumal es jeden auch unmittelbar selber betrifft. Denn Kleidung umhüllt Stunde um Stunde unser größtes und sehr sensibles Organ, die Haut. Oft wundert es mich, dass bei Nahrungsmitteln die Aufmerksamkeit und Bereitschaft, Bioprodukte zu kaufen, in den letzten Jahren stark gewachsen ist, jedoch in der Bekleidungsbranche kein nennenswerter Anstieg zu verzeichnen ist.

Unsere Kundinnen befinden sich daher – wie wir auch – auf einem noch recht jungen Pfad, den wir miteinander gehen. Auch wenn manche Kundin bereits 20 Jahre JORDAN begleitet und wir sie bekleiden. In der gesellschaftlichen Relevanz ist es noch immer eine Nische. Umso mehr haben auch unsere Kundinnen sich über diese Auszeichnung gefreut, mit gutem Gewissen ein Teil davon zu sein!

Die Resonanz war überwältigend. Danke für das Vertrauen.